Zeit ist Tun

„Zeit ist Tun“ bleibt übrig, wenn man die Überschrift eines Arbeitsblattes vom Deutschunterricht 3.KLasse/Grundschule erklären möchte. Wortwörtlich steht da „Verben (Zeitwörter) sind Tunwörter“.

1. Das Wort „Tunwort“ gehört doch nicht in den Deutschunterricht der dritten Klasse. Da soll man sich schon das schwere Wort „Verb“ merken und dann dazu eine sprachliche Verwendung, die eher auf Kindergartenniveau ist (, wobei ich selbst da nicht empfehlen würde „Tunwort“ zu sagen). Warum heißt es nicht hier schon „Tätigkeit“? Und warum etwas lernen, was ich später nicht mehr brauche? Benutzt man nämlich Nachschlagewerke, wie den Duden online, dann findet man folgende Erklärung zum Verb: „flektierbares Wort, das eine Tätigkeit, ein Geschehen, einen Vorgang oder einen Zustand bezeichnet; Tätigkeits-, Zeitwort (z. B. lernen, musizieren, warten) „.

2. Zeit ist Tun. Könnte man auch schreiben: Zeit = Tun. O.k., aber was ist „Tun“? Betrachten wir das ganze mal physikalisch. Dann wäre „Tun“ so etwas wie Arbeit. Die Formel für Arbeit lautet jedoch: W = F * s. Sprich: Arbeit ist gleich Kraft mal Zeit. Aha, also ist Arbeit nicht gleich Zeit. Tja, sind ja auch zwei Wörter. Wieso sollen die denn auch gleich sein? Von Arbeit spricht man, wenn eine Kraft über einen gewissen Zeitraum wirkt. Zum Beispiel, wenn jemand etwas tut. Aber auch, wenn die Kräfte der Natur wirken. In der Natur tut niemand was, aber es wirken trotzdem Kräfte, zum Beispiel wenn die Sonne scheint. Die Sonne tut nicht scheinen, sie scheint nebenbei (, denn das Elektron tut ja wandern und leuchten). Scheinen ist ja an sich keine Tätigkeit, sondern ein Energieverlust. Ist dann „scheinen“ immer noch ein sogenanntes Tunwort?

3. Wieso nennt man Verben überhaupt Zeitwörter? Bei wikipedia komme ich der Wahrheit dann etwas näher: das Wort „Verb“ leitet sich von „verbum temporale“ ab. „Verbum“ heißt nämlich einfach nur „Wort“. Warum man aber heute zu Verben auch „Zeitwörter“ sagen darf, versteckt sich in dem weggelassenen Anhang „temporale“. Leider hatte ich kein Latein, aber ich versuchs trotzdem mal. „Temporale“ ist erst mal so nicht zu finden, aber bei langenscheidt online gibt es eine helfende Erklärung: temporalis ist ein Adjektiv und bedeutet „zeitlich“. Verbum temporale heißt also zeitliches Wort. Das könnte auch ein Wort sein, welches sich zeitlich verändern kann (,was ein Verb ja tut). Ein solches Wort trifft ja indirekt auch eine Aussage über die Zeit, aber ich würde es deswegen nicht gleich als „Zeitwort“ bezeichnen. Zeitwörter wären für mich so etwas, wie „heute“ oder „eben“.

4. Alle tun etwas anderes! (Oh, wieder ein schönes Ausrufezeichen, da kann man das Befehlen üben.) Mal gucken… alle tun was anderes… hmm, aber schon im Beispiel tun dann doch einige dasselbe. Ganz unten steht dann nämlich „Zu manchen Verben gibt es mehrere Möglichkeiten“. O.k., man weiß zwar, was gemeint ist, aber auf einem Blatt aus dem Deutschunterricht sollten doch sprachlich besser formulierte Aufgabenstellungen stehen. Wie sollen die Kinder denn gutes Deutsch lernen, wenn schon die Vorlagen sprachlich nicht korrekt sind? Ja, Möglichkeiten gibt es immer viele. Denke ich nur an das Konjugieren. Nur das ist nur hier nicht gemeint. Eigentlich hätte in der Aufgabenstellung auch stehen können: „Ordne die Verben den Nomen zu. Einige Verben können mehrfach verwendet werden.“

5. Während Platz für merkwürdige Überschriften und Bilder verwendet wurde, reicht es eben nicht mehr, um die Felder, wo die Schüler reinschreiben sollen, groß genug oder gar mit Schreiblinien zu gestalten. Es geht ja bei den Unterrichtsmaterialien auch nicht um die Kinder, sondern um die Quantität von Arbeitsblättern.

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