Deutsch Themenheft 2 „Richtig schreiben“

Deutsch Themenheft 2 „Richtig schreiben“, Cornelsen-Verlag 2011

Wie ich soeben gelesen habe, darf ich keine Scans des Schulmaterials in’s Netz stellen, was natürlich eine öffentliche Diskusion unmöglich macht. Außerdem frage ich mich, warum ich Schulmaterial, mit welchem sich unsere Kinder auseinandersetzen müssen, nicht zeigen darf. Da stimmt doch was nicht. Transparenz adé.

Also bleibt mir nur übrig zu berichten und zu beschreiben, ohne dass ich das Material zeigen darf. Vielleicht kennen ja einige die Lola-Schulhefte, deswegen werde ich die Seitenzahl in Klammern angeben. Meiner Meinung nach ist es nicht möglich, mit diesen Heften das Schreiben zu erlernen. Ganz im Gegenteil, denn nach den ersten Seiten hat man einfach keine Lust mehr darauf, dass die Sprache dermaßen zerpflückt wird, bevor man die Worte genug geübt hat. Nachwievor wäre es angebracht, einfach nur richtig von der Tafel abzuschreiben und sich schwere Worte durch Wiederholung einzuprägen. Ebenso ist es zum Erhalten eines Überblickes notwendig, auch Überschriften von Themen selber zu schreiben. Dies findet aber kaum statt. Statt dessen müssen sich die Kinder die Zusammenhänge selber erarbeiten.

Zum Glück darf man ja wenigstens zitieren und so werde ich auf diese Weise die ersten Seiten des Heftes durchblättern:

(s.6) Mit Silben richtig abschreiben

So schreibe ich richtig ab:

  • Ich spreche ein Wort oder mehrere Wörter in Silben.
  • Ich merke mir schwierige Stellen.
  • Ich schreibe die Wörter auswendig auf und spreche dabei in Silben.
  • Ich zeichne die Silbenbögen darunter und prüfe das Wort.

Also erstens frage ich mich, warum man überhaupt eine Anleitung für das Abschreiben formulieren muss, es weiß doch wohl jeder selber, wie Abschreiben geht und zweitens würde ich mich gemaßregelt fühlen, wenn man mir vorschreibt, wie ich eine Aufgabe zu lösen habe. Abschreiben darf man doch wohl so, wie man es am besten kann und das kann unterschiedlich sein.

„Mit Silben richtig abschreiben“, müsste es nicht heißen: „Silben richtig abschreiben“ oder „Worte mit Silben richtig abschreiben“? Und wenn die Überschrift schon ein ganzer Satz sein muss, was ist dann mit dem Punkt?

„So schreibe ich richtig ab:“ – Alles andere ist falsch? Gleich am Anfang wird die Arbeit bewertet und damit der Druck auch gleich persönlich wird, geschieht das in der Ich-Form. Das ist Beeinflussung. Es müsste heißen „Tipps zum leichteren Abschreiben“.

„Ich spreche ein Wort oder mehrere Wörter in Silben.“ Das gehört ja eigentlich nicht zum Abschreiben, sondern zur Vorbereitung des Abschreibens.

„Ich merke mir schwierige Stellen.“ – Motivationskiller total. Wer seinem Kind sagt, dass etwas schwierig ist, der muss sich nicht wundern, wenn es mehr Kraft für die Aufgabe braucht, als nötig.

Ich schreibe die Wörter auswendig auf und spreche dabei in Silben.“ Auswendig? Also wenn ich mir jetzt nicht alles gemerkt habe, darf ich zwischendurch nicht nachgucken. Erst aufschreiben, was ich mir durch einmal angucken und nachsprechen gemerkt habe und überprüfen ja erst nachdem ich die Silbenbögen unter das eventuell falsche Wort geschrieben habe. Mhm.

In der ersten Übngsaufgabe dazu werden Druckschriftwörter zum Abschreiben angeboten und noch einmal auf schwierige Stellen verwiesen (das Wort „schwierig“ erscheint also schon zum zweiten Mal, bevor überhaupt etwas ausprobiert werden konnte). Einige Stellen wurden auch noch im Wort rosa markiert, so dass sechs schwierige Stellen in drei Zeilen zu erwarten sind. In Wirklichkeit sind es aber noch mehr Stellen, die man sich nur durch ständiges Lesen und Abschreiben merken kann. Einem Schüler jedoch alle Hindernisse zu zeigen, wird wohl kaum dazu führen, dass er sich traut loszulaufen. Ich dachte immer die Lehrer zeigen einem die Lösung bzw. einen Lösungsweg und nicht alle Stolpersteine. Auch sollte den Schülern Mut gemacht werden, die Sprache zu erlernen.

Zweite Übungsaufgabe. „Schreibe den Text als Schleichdiktat.“ (Was auch immer das ist. Vor allem müsste ja einer da sein, der diktiert oder habe ich das etwas falsch verstanden? Und dann soll man unter den ganzen Text Silbenbögen (keine Wortbausteinbögen) zeichnen, anstatt in der selben Zeit, ein Wort zu üben, welches noch geübt werden müsste.

Eine kleine Figur namens Lola gibt auf vielen Seiten Tips zum Lösen der Aufgabe und sie sagt: „Merke Dir immer nur kurze, sinnvolle Abschnitte.“ Also wenn ich mir jetzt aber viel merken kann, ist das dann sinnlos? Wieso bewertet Lola eine andere Herangehensweise? Und ist es nicht auch sinnvoll, sich nur ein einziges Wort zu merken?

Unten auf der Seite stehen dann einfach irgendwelche Zutaten. Natürlich alles in Druckschrift. Da kann man eh nicht abschreiben. Wenn es um’s Abschreiben geht, dann sollte doch auch in Schreibschrift vorgeschrieben werden, oder?

(S.7) Texte richtig abschreiben

Also langsam nervt das Wort „richtig“ schon sehr. Darf ich auch mal was falsch machen, bitte? Also falls es bei den pädagogischen Lektoren noch nicht angekommen ist: man lernt aus Fehlern. Etwas falsch zu machen gehört zum Lernen dazu. Es ist sogar notwendig und darf nicht negativ bewertet werden. Die Kinder versuchen ja schon, die Dinge wie die Großen zu machen, auch wenn sie nicht alles nachmachen sollten.

Vorschlag zur Überschrift „Texte abschreiben“. Aber, wie bereits geschrieben, zum Abschreiben braucht man eigentlich nur abzuschreiben. Das geht auch ohne Anleitung. Also bei uns ging’s auch so. Wir haben einfach von der Tafel abgeschrieben. Unsere Leherinnen hatten eine sehr gute Schreibschrift.

„Acht Oktopusschwänze, sieben Warzenkröteneier, zwei Tüten rosa Orleanderblüten, fünf Krokodilstränen, eine Tube Schleimpasta, drei Kilo Knochenpulver, Baldrian“

Der Text soll jetzt abgeschrieben werden. Einfachere Wörter gab es leider nicht mehr, nachdem ein Schüler ausversehen den Zauberstab auf die Tafel gerichtet und das mächtige Wort „Difficile“ ausgesprochen hatte. Denn der Oktopus hat gar keinen Schwanz, es sind Tentakeln und um sich die Menge besser vorstellen zu können, hätte eine echte Hexe wohl eher geschrieben „die acht Tentakel eines Oktopusses“ (außerdem wäre es wichtig, ob die Tentakel von einem oder verschiedenen Oktopussen sein dürfen).

Sieben Warzenkröteneier„. Mmmm, lecker. Wo man doch jeder gerne Kröten in die Hand nimmt. Erst recht mit der Vorstellung, dass diese Kröten Warzen haben könnten. Zum Glück gibt es ja keine Warzenkröten, aber die Kinder werden sie jetzt trotzdem sehen, weil sie nun an Warzen denken, wenn sie eine Kröte sehen. Und an die Eier der Erdkröte kommt man eigentlich auch nicht so gut, weil sie mit ihren maximal 2mm viel zu klein sind und außerdem durch ein langes Band miteinander verbunden sind. Sich da welche abzumachen, würde viel mehr Kröteneier beschädigen, als man eigentlich braucht. Außerdem müsste man die Kröten bei der Paarung beobachten, um heraus zu finden, wo der Laich jetzt liegt. Aber wehe, einer fässt die armen Tiere an, denn sie können eine giftige Substanz absondern, die die Wahrnehming beeinflussen kann.

„zwei Tüten rosa Orleanderblüten„: aber nicht wundern, wenn die Kinder versuchen, das nachzumachen, denn (danke Wikipedia):

Giftigkeit

Oleander enthält das giftige Glykosid Oleandrin. Alle Pflanzenteile sind giftig. Oleandrin ist ein giftiges Herzglykosid und wirkt erregend auf die interkardiale Muskeltätigkeit. Außerdem werden das Brechreizzentrum und der Nervus vagus aktiviert. Es verursacht Hypoxämie; dies bedeutet einen erniedrigten Sauerstoffgehalt (CaO2) im arteriellen Blut.[9]

Keine ordentliche Hexe verwendet Tüten!

„Krokodilstränen, Schleimpasta und gleich drei Kilo Knochenpulver“ …jetzt ist mir langsam wirklich übel. Zum Glück habe ich gelernt, dass es Baldrian gibt.

(s.8) Silbenkerne einsetzen

Es handelt sich tatsächlich um Deutschunterricht, nicht Schulgartenlehrstoff.

Jede Silbe hat einen Silbenkern. Meistens ist es … manchmal ist es… manchmal ist es…„. Aha, tolle Regel, für die es scheinbar keine Regelmäßigkeit gibt. Oder haben die Autoren das nicht gesehen? Jeder Silbenkern besteht aus einem Vokal. Ja, so einfach. Und ich frage mich, warum das jetzt überhaupt noch unterrichtet werden muss, wo die Silben schon seit der zweiten Klasse geübt werden. Und es wird auch nicht einfacher, wenn man den Kindern die Worte dann ganz ohne die Vokale zeigt.

In Übung zwei werden die gerade erklärten Silbenbögen dann gleich wieder zerfetzt, weil es plötzlich um Wortendungen geht, die jedoch nur ein Teil des Wortes sind und mit dem Thema „Silbenkern“ gar nichts zu tun haben.

 

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